Einstellungstest Zoll: ein Erfahrungsbericht

Kurz zu mir, mein Name ist Romina Herzig, ich bin 21 Jahre alt und habe bereits eine abgeschlossene Ausbildung als Bankkauffrau. Allerdings habe ich mich dazu entschlossen, dass ich nochmal etwas Neues machen möchte und habe mich so um eine Stelle als Zollbeamtin im mittleren Dienst beworben. Bei der Bewerbung gibt man sein Wunschhauptzollamt an, sowie ein „Ersatzhauptzollamt“ an.


 

Das Auswahlverfahren beim Zoll

Das Auswahlverfahren beim Zoll besteht aus einem schriftlichen Einstellungstest, einem Assessment Center und einem Vorstellungsgespräch. Einen Sporttest gibt es beim Zoll nicht mehr – stattdessen muss man das Deutsche Sportabzeichen (Bronze langt) vorlegen. Dies kann man entweder bei der Bewerbung mit abgeben oder man kann es bis zum 15. Juni des Einstellungsjahres einreichen. Das Sportabzeichen darf nicht älter als ein Jahr sein.

Nach Ablauf der Bewerbungsfrist habe ich relativ schnell die Einladung zum schriftlichen Einstellungstest erhalten. Auf der Internetseite des Zolls findet man Beispiele zum schriftlichen Test, diese sollte man vorher unbedingt durchgehen, da man so ein Gefühl für den Test bekommt. Die Aufgaben die auf der Internetseite abgebildet sind, sind ähnlich der Aufgaben des richtigen Tests. Außerdem solltet ihr euch etwas Allgemeinwissen aneignen.

 

Tag 1: Schriftlicher Einstellungstest

Der schriftliche Einstellungstest fand Anfang November statt. Ich war mit ca. 30 anderen Bewerbern in einem Raum – laut Prüfer waren insgesamt drei Räume für die Prüfungen belegt. Anfangs mussten wir unsere Einladung, sowie unseren Personalausweis vorzeigen. Der Prüfer erklärte uns ausführlich den Ablauf des Tests. Am Platz sollte außer dem Testbogen und unserem Stift nichts mehr liegen. Essen und Trinken während des Tests waren erlaubt. Bitte achtet darauf, dass ihr zu dem Test pünktlich kommt. Vier Leute sind bei uns zu spät gekommen – der erste Eindruck zählt!

Für die Bearbeitung des Tests hat man dreieinhalb Stunden Zeit.

1. Teil – Sprachverständnis

Hier kamen Aufgaben zur Rechtschreibung, Grammatik und Text-verständnis dran. Außerdem wurde überprüft, ob man einen Gesetzestext anwenden kann.

Beispielaufgaben:

Ein Text war gegeben und man sollte Rechtschreib- und Grammatikfehler anstreichen und verbessern. Ein weiterer Text war gegeben und zu diesem sollte man Fragen beantworten (Ankreuzaufgabe). Gesetzestexte waren gegeben und man sollte ankreuzen, welcher Sachverhalt zutreffend ist. Aufgaben wie Synonyme und Gegenteile kamen natürlich auch dran.

 

2. Teil – Zahlenverständnis

Der Matheteil war meiner Meinung nach machbar, mit diesem war ich auch am schnellsten fertig. Die Aufgaben bestanden aus Dreisatz und Zins- und Prozentrechnung. Die Aufgaben waren zum Teil als Textaufgaben verpackt. Beispielaufgaben hierzu sind auch auf der Zollinternetseite – leider fehlen hier die Lösungen.

 

3. Teil – Arbeitsprobe

Meiner Meinung nach die anspruchsvollste Aufgabe war die Arbeitsprobe. Diese ist mit einer Postkorbübung vergleichbar. Hier hatten wir Texte mit verschiedenen Sachverhalten bekom-men – auch mit einigen Problemen. Dazu mussten wir einen Bericht schreiben und auch Lösungsvorschläge für die vorliegen-den Probleme bringen. Die wichtigsten Informationen waren dem Text zu entnehmen, den man bekommen hat. Ich kann hier empfehlen, sich ein Schmierblatt zu nehmen und zunächst alles stichpunktartig aufzuschreiben. Nehmt euch für die Aufgabe aus-reichend Zeit. Hier kann man gut Punkte sammeln.

 

4. Teil – Allgemeinwissen

Zu guter Letzt kamen Fragen zum Allgemeinwissen dran. Es waren rund 10 Fragen, die lösbar waren. Ich war vor den 3,5 Stunden fertig. Der Test gilt als bestanden, wenn man mindestens 50 von 100 Punkten erreicht hat.

Fazit: Macht euch nicht verrückt! Bereitet euch vor, dann ist der Test machbar. Die Zeit langt vollkommen aus.

Kurz vor Weihnachten erhielt ich die Zusage zum mündlichen Auswahlverfahren. Auf das mündliche Auswahlverfahren habe ich mich natürlich auch gut vorbereitet. Ich habe mir Stichpunkte zum Interview gemacht und mir Antworten auf die typischen Fragen, wie Stärken und Schwächen überlegt. Außerdem was auch hier wieder zu empfehlen ist, schaut euch genauestens die Internetseite des Zolls an.

 

Tag 2: Gruppenübung/Rollenspiel/Interview

Da es sich um ein Vorstellungsgespräch handelt, kleidet euch dementsprechend angemessen. Ich hatte eine Bluse und einen Blazer an. Achtet auch auf euer Schuhwerk, lasst die Turnschuhe an dem Tag lieber im Schuhschrank.

Beginn war um 08:30 Uhr. Wir waren an diesem Tag nur zu dritt, da eine andere Bewerberin nicht aufgetaucht ist. Wir drei Bewerber hatten ungefähr alle ein ähnliches Alter. Eine Mitarbeiterin des Zolls erklärte uns ausführlich den Tagesablauf und beantwortete uns noch offene Fragen. Wir begannen mit der Gruppendiskussion, anschließend folgte das Rollenspiel und abschließend das Vorstellungsgespräch. Die Reihenfolge, wer als erstes beim Rollenspiel/Vorstellungsgespräch dran ist, wurde uns vorgegeben. Da wir nur zu dritt waren, ging es sehr schnell und wir waren um 13 Uhr mit allem durch.

 

Gruppendiskussion

Um neun Uhr ging es mit der Gruppendiskussion los. Wir wurden in einen Raum gebeten, in dem die Prüfungskommission schon saß. Sie bestand aus zwei Frauen und zwei Männern. Außerdem war die Gleichstellungsbeauftrage auch mit im Raum. Alle waren sehr nett und haben sich kurz vorgestellt. Da wir nur zu dritt waren, wurde noch eine Zollbeamtin für die Diskussion dazu geholt. Während der Diskussion habe ich die Prüfer überhaupt nicht mehr beachtet.

Wir hatten zwei Minuten, um uns kurz Gedanken zu machen. Anschließend haben wir 15 Minuten diskutiert. Redet viel – aber nicht zu viel. Findet ein gutes Mittel-maß! Integriert Leute, die nicht so viel sagen. Wir kamen mit dem Thema gut zurecht. Die 15 Minuten waren schnell vorbei. Die Diskussion nahm mir auch einen Teil meiner Nervosität. Nach den 15 Minuten wurden wir wieder aus dem Raum geschickt und wurden nun nacheinander zum Rollenspiel geholt.

 

Rollenspiel

Ich war als Zweite von uns drei dran. Das Rollenspiel geht etwa sieben Minuten. Bevor wir in den Raum gerufen wurden, hatte wir fünf Minuten Zeit, um uns in den Sachverhalt einzulesen. Das Rollenspiel hat man mit einer Zollbeamtin geführt, die nicht zur Prüfungskommission gehört. Wir durften Sie in dem Rollenspiel duzen. Der Sachverhalt war folgender: Die Kollegin übernahm ständig die Außendienstarbeiten und ich durfte nur Innendienst machen. Wenn Sie in den Außendienst ging, nahm sie lieber andere Kollegen mit. Ich musste sie darauf ansprechen und sagen, das ich auch gerne beim Außendienst dabei sein möchte und nicht nur Innendienst machen will.

Ziel war es, eine Lösung zu finden. Im Raum stand ein Tisch, an dem zwei Stühle standen. Die Person, die meine „Kollegin“ war, saß mir an dem Tisch gegenüber. Die „Kollegin“ stellte sich auf stur, zeigte keine Einsicht und blockte hab. Hier fielen Sätze wie: „Du machst den Innendienst aber so gut“, „Mit dem anderen Kollegen bin ich jetzt aber schon eingespielt“. Lasst euch dadurch nicht beirren. Bleibt bei eurer Meinung, aber bleibt dabei höflich. Während des Rollenspiels ist die Zeit verflogen – die sieben Minuten waren sehr schnell vorbei.

 

Vorstellungsgespräch

Als nächstes stand das Vorstellungsgespräch an. Auch hier war wieder eine sehr angenehme Atmosphäre und die Prüfer waren alle sehr nett. Ich saß an einem Tisch vor den Prüfern. Anfangs sollte ich mich vorstellen. Ich erzählte meinen Lebenslauf und antwortete auf Zwischenfragen. Die Prüfer machten sich alle Notizen. Jeder Prüfer stellte Fragen. Auf typische Fragen, wie „Warum möchten Sie zum Zoll?“, „Wie wurden Sie auf uns aufmerksam?“, sollte man natürlich vorbereitet sein. Es wurden auch sehr viele Fragen zum Ablauf der Ausbildung gestellt. Schaut euch die Seite des Zolls genauestens an, die Aufgaben, sowie den Ablauf der Ausbildung, Schulstandorte etc. Außerdem wurde ich gefragt, ob ich mich eher im Innendienst oder im Außendienst sehe. Bin ich sportlich? Kann ich mir vorstellen eine Waffe zu tragen? Kann ich mir vorstellen wegzuziehen? Das Gespräch war wirklich sehr entspannt. Nach 30 Minuten war auch dieses geschafft und ich durfte nach Hause gehen.

Fazit: Alle waren sehr nett. Bereitet euch vor allem auf das Gespräch gut vor. Seid ihr selbst und immer höflich. Macht euch nicht verrückt, euch reißt dort niemand den Kopf ab.

Tipp: Bereite dich auf deinen Zoll Einstellungstest vor! Der Plakos Online-Testtrainer bietet die ideale Grundlage!

 

Tag 3: Arzt

Zwei Tage später hatte ich den Brief in der Post: „Es ist beabsichtigt, Sie zum 1.8 einzustellen, wenn der Amtsarzt sein ok gibt“. Ich musste hierzu einen Termin bei meinem zuständigen Gesundheitsamt vereinbaren, Kontaktdaten habe ich vom Hauptzollamt bekommen, da diese die Untersuchung veranlassen müssen. Jeder Amtsarzt führt die notwendige Untersuchung unter-schiedlich durch. Es gibt keine Einheitsuntersuchung wie bei der Polizei. Ich wurde zu meinem Gesundheitsstand befragt, Herz und Lunge wurden abgehört und Reflexe wurden getestet. Eine Urinuntersuchung gab es bei mir nicht. Aber wie gesagt, dass handhabt jeder Amtsarzt unterschiedlich, die Untersuchung kann bei euch strenger oder lockerer ausfallen. Ich wurde von als tauglich eingestuft.

Allerdings habe ich mich letztendlich für die Ausbildung bei der Bundespolizei entschieden, da diese einfach besser zu mir passt.


[Es handelt sich hierbei um einen echten Erfahrungsbericht einer Bewerberin. Bitte bedenkt, dass sich Einstellungstests ändern können und somit keine Gewähr für die Richtigkeit der Inhalte übernommen werden kann.]

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