Erfahrungsbericht EAV mittlerer Dienst

Celine, 19 Jahre

Kurz über mich: Ich heiße Celine, 19 Jahre alt und absolviere gerade mein Jahrespraktikum bei der Polizei Hessen. Um nicht nur einen Plan A zu haben, habe ich mich unter anderem auch beim Zoll beworben. Sowohl mittlerer als auch gehobener Dienst.


 

Das Auswahlverfahren

Der Zoll ist keine Behörde, die ihre Bewerber lange warten lässt, auch der Kontakt war immer sehr gut, man bekam innerhalb weniger Tage Antworten auf E-Mails. Also bekam ich schon bald meine Einladungen zu beiden Auswahlverfahren. Ich muss ehrlicherweise sagen, dass ich mich sehr, sehr wenig auf die Auswahlverfahren vorbereitet habe, ich wusste nicht, was auf mich zukommt. Was ich gelernt habe, sind Fakten über den Zoll, wem er unterstellt ist, Hauptzollämter usw. Dieses Wissen benötigt man für den ersten Teil des Auswahlverfahrens allerdings noch nicht.
Der Test besteht aus 3 Teilen, die man in 2, nicht aufeinanderfolgenden Tagen absolviert. Ich werde hauptsächlich über den mittleren Dienst berichten, da ich den schriftlichen Teil des gehobenen Dienstes nicht bestanden habe. Hätte ich mal gelernt… 😉 Der Test ist aber machbar, ich möchte keinem Angst machen. Einige Unterschiede waren im Matheteil zu bemerken, aber an große Unterschiede kann ich mich nicht erinnern. Es geht wahrscheinlich um die Punktzahl die man erreicht bei allem. Ich wurde nach Reiskirchen eingeladen, da ich mich für Gießen als 1. Wunsch beworben habe (Frankfurt 2. Wunsch). Wir waren ca. 40 Leute, im Vergleich zu anderen Einstellungstest sind sehr viele Bewerber erschienen, es waren kaum Tische unbesetzt.

Der Test wird auf Papier geschrieben, wie bei der Bundespolizei, nicht am Computer. Zuerst wurden unsere Ausweise kontrolliert und wir bekamen eine kleine Einführung, es dauert zwar eine Weile, aber Fahrkosten werden erstattet.

 

Schriftlicher Teil

Keine Garantie, dass ich hier nichts vergesse, der Test ist schon eine Weile her.

 

  • Deutschtest

Der erste Teil war der Deutschteil. Dran kamen Aufgaben zur Rechtschreibung. Diese waren im Multiple Choice Verfahren aufgebaut. Dann hatte man Texte in unterschiedlichen Schwierigkeiten, zu denen man dann Fragen beantworten musste. Nicht schwer meiner Meinung nach.

 

  • Gesetzestexte

Danach kamen meiner Erinnerung nach, Gesetzestexte dran. Man bekam ein Szenario, ein Gesetzestext und musste wieder richtige Antworten ankreuzen. Wenn man sich ein wenig konzentriert hat, war das nicht schwer.

 

  • Mathe

Im Matheteil kamen Aufgaben mit normaler Grundrechnung, Zinsrechnung, Prozentrechnung und Dreisatz dran – keine Zahlenreihen. Aufgrund meiner nicht vorhanden Vorbereitung fand ich den Teil am schwierigsten, wenn man die Themen allerdings vorher nochmal wiederholt, sollte der Matheteil auch für Leute, die schlecht in Mathe sind, zu lösen sein. Man hat, vielleicht wichtig zu erwähnen, da es sonst nirgends so ist, einen Taschenrechner zur Verfügung, bzw. muss ihn mitbringen, aber das steht glaube ich auch alles in der Einladung.

 

  • Aufsatz

Anschließend kam der „Aufsatz“ dran, indem man viele Texte, Briefe, Informationen in einem Aufsatz bündeln musste. Bei mir ging es um eine Zollveranstaltung – diese Übung fiel mir leichter, hat mich sehr an normale Deutschaufgaben in der Schule erinnert. Da man mehr als ausreichend Zeit hat, kann man die Blätter in aller Ruhe studieren, man hat sie die ganze Zeit vor sich. Was man allerdings immer im Kopf behalten sollte ist die Rechtschreibung.

Da man nur eine Zeit hat und keine Begrenzung für die verschiedenen Teile, kann man sich so viel Zeit für die jeweiligen Testabschnitte nehmen, wie man möchte – ich hatte am Ende noch sehr viel Zeit übrig und habe auch wie fast alle den Test früher abgegeben.

 

  • Allgemeinbildung

Ich hoffe, ich habe nichts vergessen, der letzte Teil des Tests war die Allgemeinbildung. Es kamen Geschichtsfragen, Sprichwörter, eine Frage zum All, ich erinnere mich nicht mehr genau welche, ein bisschen Politik, es wurde nach dem höchsten Berg gefragt und nach irgendeinem Autor oder Buchtitel. Alles Aufgaben zum Ankreuzen und einige Jahreszahlen.

Ich bin bei sowas generell nicht allzu nervös, aber man hat auch gar keinen Grund, besonders der Test für den mittleren Dienst ist nicht schwer.

 

Mündlicher Teil

Ein paar Monate später bekam ich dann die Zusage, dass ich zum mündlichen Teil des Verfahrens eingeladen bin. Dieser Teil fand für mich in Gießen statt. Wir waren eine Gruppe von 5/6 Leuten und wir verstanden uns von Anfang an. Die Reihenfolge, in der wir die Übungen absolvieren wurde vorher festgelegt.

 

  • Gruppendiskussion

Es begann mit der Gruppendiskussion, wir sollten vor ca. 5 Leuten über Schuluniform Pro/Contra diskutieren. Da wir vorher schon miteinander sprachen, fiel es uns nicht schwer einen Einstieg zu finden, da wir allerdings einer Meinung waren, sprachen wir eher generell über das Thema. Es hat sich jeder eingebracht. Anschließend wurden wir zurück in unseren Aufenthaltsraum geführt. In diesem Raum saß ein fertiger Beamter, der auf uns aufpassen sollte, aber noch viel wichtiger: Uns war verboten darüber zu sprechen, was wir gefragt wurden und machen sollten usw. – damit es der Letzte nicht viel einfacher hat mit den Informationen der Ersten. Wir haben viel mit dem noch jungen Beamten geredet und viel gefragt, er war sehr hilfsbereit.

 

  • Rollenspiel

Danach folgte das Rollenspiel, wir malten uns die schlimmsten Szenarien aus. Die Aufgabe war: Du bist Zollbeamtin und hast eine Kollegin, die sich die ganze Zeit die bessere Arbeit nimmt, ohne dich rausfährt und dafür noch die Lorbeeren einheimst. Es wurden noch ein paar mehr Aussagen über einen geschrieben, die man sich merken muss, damit man sich rechtfertigen kann, um die Kollegin dann anschließend überzeugen zu können. Man bekam ein paar Minuten Zeit um sich reinzulesen und sich Sachen zu überlegen usw.

Dann wurde man in den Raum mit der Prüfungskommission geführt, dort saß „deine Kollegin“. Man hat sich neben sie gesetzt und sollte anfangen, sie mit ihrem Handeln zu konfrontieren. Deine Kollegin war natürlich komplett uneinsichtig und man konnte sie nicht überzeugen, aber das war auch nicht der Sinn. Man wollte nur die Argumente beobachten – ich hatte ein gutes Gefühl danach. Die anderen konnten es eher weniger einschätzen, sie waren eher der Meinung, dass man kaum was gegen die Kollegin sagen konnte. Anschließend konnten noch drei Bewerber ihr Interview machen und nach Hause gehen. Wir hatten dann Mittagspause. Ich war als letzte mit dem Einzelgespräch dran.

 

  • Einzelgespräch

Die Prüfungskommission war sehr nett, zuerst sollte man im Einzelinterview etwas über sich selbst erzählen, anschließend wurden noch viele Fragen gestellt.

  • Fragen über den Zoll – man sollte die Aufgaben des Zolls erläutern, wem er unterstellt ist usw.
  • Viele Fragen über einen selbst, Hobbys, wie man in bestimmten Situationen reagieren würde, wie man zum Waffengebrauch steht.
  • Natürlich die Frage, warum man zum Zoll möchte, da ich vorher gesagt habe, dass ich mich auch bei Landespolizeien beworben habe, wurde ich auch gefragt, warum ich lieber zum Zoll möchte. Meiner Ansicht nach war meine Antwort darauf sehr schwach.
  • Man sollte sich außerdem über das aktuelle Tagesgeschehen und die Nachrichtenlage informieren.

 

Sportliche Anforderung

Einen Sporttest gibt es beim Zoll seit 2014 nicht mehr, man muss ein Sportabzeichen, mindestens Bronze, was nicht älter ist als ein Jahr, nachweisen. Alles in allem hatte ich ein gutes Gefühl, ich fand mein Einzelinterview allerdings am schwächsten. Nach einer längeren Wartezeit bekam ich einen Anruf, dass Gießen als Ausbildungsstätte voll ist, wenn sie meine Bewerbung allerdings für Frankfurt übernehmen würden, hätte ich gute Chancen. Ich stimmte zu und bekam wenig später die Zusage für Frankfurt aufgrund anderer Optionen ist der Zoll allerdings nicht meine Nummer 1.

Tipp! Für den Einstellungstest beim Zoll kannst du dich hervorragend mit dem Plakos Online-Testtrainer vorbereiten!

 

Ärztliche Untersuchung

Nach der Zusage bekommt man einige Post, unter anderem die „Einladung“ zur ärztlichen Untersuchung. Ich erschien also am geladenen Tag in Darmstadt. Die Untersuchung umfasst zwei verschiedene Sehtests, einen der das periphere Sehen prüft und einer bei dem es um Farben, räumliches Sehen usw. geht. Einen Hörtest, bei dem man immer lauter werdende Piepgeräusche hören muss und ein Ruhe-EKG. Außerdem musste ich Urin und Blut abgeben (im Rahmen des Drogenscreenings) und wurde grob am Herzen abgehört.

Nachdem ich zu Hause war, wurde ich angerufen und mir wurde mit Bedauern mitgeteilt, dass das Belastungs-EKG vergessen wurde, ich habe sogar interessehalber gefragt, ob es beim Zoll keins gibt. Also neuen Termin ausgemacht, aber sonst lief alles glatt, keine Probleme mit meiner Gesundheit.

Am ehesten Vergleichen könnte man das Auswahlverfahren meiner Meinung nach mit dem der Bundespolizei. Mit ein wenig Vorbereitung ist der Test einfach zu schaffen. Viel Glück und Erfolg allen, die sich bewerben.


[Es handelt sich hierbei um einen echten Erfahrungsbericht einer Bewerberin. Bitte bedenkt, dass sich Einstellungstests ändern können und somit keine Gewähr für die Richtigkeit der Inhalte übernommen werden kann.]

Juni 2018

 

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